Geschichten in und über Pöhlde
Eine Kaiserpfalz, ein Artikel von Oktober 1884
Eine Kaiserpfalz.
(Nachdruck untersagt.)
Nicht einmal eine Säule oder ein verrollter Stein zeugt von der verschwundenen Pracht der alten Ottonenpfalz Pöhlde. Und doch haben sich hier weltgeschichtliche Ereignisse abgespielt, Priester und Höfling buhlten hier um die Gunst mächtiger Kaiser. Oder haben wir falsche Begriffe von der mittelalterlichen Kaisermajestät, dass nicht einmal eine schwache Erinnerung an diese altehrwürdige Kaiserstätte im Gedächtniß der jetzigen Bewohner derselben sich erhalten hat? –
Eine Wegstunde marschiert man von Herzberg am Rande des Südharzes – bekannt als Eisenbahn=Knotenpunkt – auf staubiger Chaussee in südlicher Richtung, um nach Pöhlde zu gelangen. Es ist ein Dorf wie viele andere, über dem auf waldiger Anhöhe ein Wall liegt, die „ohle Burg“ genannt; sonst keine Spur, daß wir uns hier an einer der ältesten Stätten deutschen Kulturlebens befinden. Des Königshofes Palithi* wird zuerst im Jahre 929 am 16. Sept. gedacht, an welchem Tage König Heinrich I. seiner „süßesten Gemahlin Mathilda“ als Leibgedinge oder Witwengut aussetzt all sein Eigenthum in Quitilingaburg (Quedlingburg), Palithi, Nordhusa. Das Original der Urkunde liegt im königl. Archiv zu Berlin. Urkundlich finden wir König Heinrich noch einmal hier am 7. Jan. 932. Seine Gemahlin liebte nach dem Tode ihres Herrn diesen Witwensitz ungemein.
Im Jahre 951 besuchte der Baiernherzog Heinrich, Mathildens Lieblingssohn, der sich so oft gegen seinen Herrn und Bruder Otto I. empört hatte, die liebende Mutter in Palithi, um sie noch einmal zu sehen, da er fühlte, daß seine Tage gezählt waren. Beim Herannahen der Abreise drang zuletzt die Mutter mit folgenden Worten in den Sohn: „Mein theuerster Sohn, achte der Worte Deiner Mutter und hege Reue wegen Deiner Sünden, damit Du vor Gott Verzeihung erlangest. Denn es ist zweifelhaft, welchen Ausgang Deine Leibeskrankheit nehmen wird, und wir fürchten, daß wir Dein liebes Angesicht nicht schauen werden.“ Sodann umarmten sie sich und tauschten Küssen unter vielen Thränen. Die Prophezeiung der Mutter ging bald in Erfüllung, am 1. Nov. 952 starb Heinrich. Nicht lange darauf stiftete sie in Palithi neben dem Königshofe ein Benediktinerkloster für Mönche zu Ehren Johannis des Täufers und des heiligen Servatius und stattete es mit einem Theile ihres Eigenthums in Westfalen aus.
In demselben Jahre wurde sie von ihrem großen Sohne Otto, der aus Italien siegreich mit der errungenen Gemahlin Adelheid heimkehrte, in Pöhlde besucht. Ehrfurchtsvoll neigte sich die schöne Italienerin vor der greisen Frau. Auf Bitten der Mutter bestätigte Otto die Klosterstiftung derselben und bedachte sie außerdem reichlich mit Gütern, die zum Königshof Pöhlde gehörten. Dann finden wir ihn daselbst wieder am 6. Jan. und im November 958, wo er, um geben von Bischöfen und Fürsten, eine glänzende Reichsversammlung hielt, in welcher berathen wurde, wir das Reich zu erweitern und zu sichern sei.
Gleich Heinrich und Otto dem Großen hatten auch Otto II. und III. eine Vorliebe für Pöhlde. Otto II. weilte dreimal in den Jahren 974 bis 979 in den Mauern dieses Königshofes und schenkte 974 seinem Freunde, dem Bischofe Gisilber von Merseburg, die bisher im Besitze des Reichs gewesene fromme Stiftung. Als der intriguante Gisilber Erzbischof von Magdeburg geworden, ging dieselbe mit an das Erzstift über; der Königshof und das Dorf Palithi aber blieben Reichsgut und wurden am 17. März 978 der griechischen Gemahlin Otto´s II. als Wittwengut vermacht.
Es waren politische Gründe, die Otto den Großen veranlaßten, sich mit einer Italienerin und seinen Sohn mit einer Griechin zu verheirathen. Kein Wunder ist´s, daß Otto III., dem südliches Blut in den Adern rollte, Deutschland entfremdet blieb. Aber auch er liebte Pöhlde; denn er feierte hier 986 das Osterfest und 991, 992 und 993 Weihnachten. Man darf daher wohl darauf schließen, daß intime Familienerinnerungen und die Macht der Ueberlieferung die Sachsenkaiser an diesen Ort fesselten. Noch während der Regierung des III. Otto spielte sich hier eine Haupt= und Staatsaktion ab, die reich ist an fesselnden Einzelheiten. Der Bischof Bernward von Hildesheim und der Erzbischof Willigis von Mainz, beide Charakterfiguren aus damaliger Zeit, waren über den Besitz des Klosters Gandersheim (im Hannoverschen) in erbitterten Streit gerathen. Friedrich, ein erklärter Liebling des Kaisers und des Papstes, jung an Jahren, eben noch einfacher sächsischer Kleriker und Kardinal, kam im Herbste 1001 von Rom nach Pöhlde, um den Streit vor einer Synode sächsischer Bischöfe zu schlichten. Das prunkvolle Auftreten des Höflings und die Ehrenbezeugungen, die der junge Mann von den im Dienst des Herrn Ergrauten verlangte, machten böses Blut. Bei Eröffnung der Synode am 22. Juni kam es sofort zu skandalösen Auftritten. Verwünschungen empfingen den päpstlichen Legaten, nicht einmal einen Ehrensitz wollte man ihm einräumen; endlich nahmen ihn Libentius von Bremen, ein Italiener, und Bernward von Hildesheim in ihre Mitte. Als das Getümmel sich gelegt, redete Friedrich zum Frieden und wollte dem Willegis ein päpstliches Schreiben überreichen; der aber verweigerte die Annahme desselben, die Verlesung des Schreibens jedoch konnte er nicht verhindern. Es enthielt derbe Zurechtweisungen und Mahnungen zum Frieden. Auf eine Anfrage Friedrichs an Willegis, ob er sich den Bestimmungen der Synode fügen wolle, entgegnete derselbe, darüber müsse er sich erst mit seinen Amtsbrüdern berathen. Kaum aber hatte Libentius von Bremen sich für den päpstlichen Legaten ausgesprochen, da brach ein wahrer Sturm los. Von außen schlugen Laien und Anhänger des Willegis die Kirchthür ein, und es schien, als sollte das Haus des Herrn mit Blut besudelt werden; aber mit bewundernswürdiger Ruhe trat Friedrich der leidenschaftlich bewegten Menge entgegen. Die kalte Entschlossenheit des Diplomaten siegte abermals. Als Willegis wüthend die Kirche verläßt, tritt ihm Friedrich, indem er auf seine Mission sich beruft, entgegen und gebietet ihm, am nächsten Tage vor der Synode zu erscheinen. Willegis, der offenbar durch rohe Gewalt hatte imponieren wollen, erschien nicht, sondern reiste schon in aller Morgenfrühe mit seinen Anhängern ab. Die Art und Weise, wie der päpstliche Legat sich Ansehen zu verschaffen weiß einer ihm feindlichen Majorität gegenüber, ist bemerkenswerth. Noch war die Geistlichkeit in Deutschland damals durchaus nicht willens, sich der römischen Anmaßung zu beugen, und noch 50 Jahre später, als der große Kampf zwischen Kaiser und Papst ausbricht, steht die große Hälfte der Priester auf Seiten des Kaisers. Daß Friedrich die ihm durch die Abreise des mainzer Erzbischofs gewordene günstige Sachlage benutzte, ist natürlich. Er erklärte Willegis als vorläufig seines Amtes entsetzt und berief die Bischöfe auf Weihnachten zu einem Konzil nach Italien, allwo der Papst selbst erscheinen würde. Darauf reiste er über Hildesheim nach Rom. Der Zorn des Papstes wie des verrömerten Kaisers war groß; aber Willegis entsagte doch erst 1007 allen seinen Ansprüchen auf das reiche Gandersheim.
Im Jahre 1002 starb mit Otto III. der direkte Mannesstamm des sächsischen Kaiserhauses aus. Die gegründete Anwartschaft auf den Thron hatte der Enkel jenes Heinrich, welcher in Pöhlde von seiner Mutter Mathilde mit Todesahnungen schied, wie sein Großvater ein Herzog von Baiern und ebenfalls Heinrich genannt. Daneben bewarb sich der Thüringerherzog Eckard, der zugleich Markgrad von Meißen war, um die Königswürde; „eine Zierde des Reichs, eine Säule des Vaterlandes, die Hoffnung der Seinen, ein ganzer Mann,“ so charakterisiren ihn damalige Schriftsteller. Er reiste im Sachsenlande umher, um die Fürsten und Herren für sich zu gewinnen; aber er fand wenig Stimmung für sich. Daher denn auch die Sachsen, die in der Pfalz Wera nördlich von Goslar zusammentragen, sich für Heinrich erklärten. Als infolge davon Sophie und Adelhaid, die Aebtissinnen von Quedlinburg und Gandersheim, beide Schwestern des verstorbenen Kaisers Otto III. und Basen Heinrichs von Baiern, den Anhängern desselben ein Festmahl bereitet hatten, drang Markgraf Eckard mit seinen Anhängern in den Saal, setzte sich zu Tische und verzehrte, was für andere bestimmt war. Das war eine grobe Beleidigung der kaiserlichen Schwestern und der sächsischen Herren, die letztere blutig rächten. Denn als Markgraf Eckard von der Agitationsreise am Rhein heimkehrte und durch Sachsen nach Thüringen ziehen wollte, wurde er schmählich ermordet, und zwar in Pöhlde und unter eigenthümlichen Umständen. Er hatte in Northeim bei der Gräfin Ethelinde Rast gehalten; dieselbe hatte ihn ausdrücklich vor ihren Stiefsöhnen Benno und Siegfried gewarnt: Sie hätten sich mit mehreren sächsischen Herren verschworen, um ihn unterwegs zu überfallen. „Bleibt,“ sagte sie, „entweder in Northeim zur Nacht oder schlaget wenigstens nicht den Weg nach Pöhlde ein.“ Doch der Unerschrockene wollte seine Route nicht ändern. Die Verschworenen lauerten ihm auch auf, aber es fand sich keine günstige Gelegenheit, ihm auf der Straße beizukommen; daher folgten sie ihm nach Pöhlde, um dort ihren Anschlag auszuführen. Es war der Abend des 30. April 1002. Eckard begab sich bald nach seiner Ankunft in einem Gemach im Ergeschoß zur Ruh; einige der Seinen begleiteten ihn, andere blieben im Speisesaale. Kaum waren sie im ersten Schlafe, da brachen die Verschwörer herein und überwältigten die Schlaftrunkenen. Es entsteht Tumult, Eckard erwacht und wirft seine Kleider in die Flammen des Kamines, um besser sehen zu können, da brechen auch schon Bewaffnete zur Thür und zum Fenster herein, und ein Lanzenstoß in den Rücken bringt ihm den Tod. – Graf Siegfried war sein Mörder. Welche Beweggründe ihn zu dieser Schandthat verleitet, wer weiß. Heinrich kam nunmehr ohne Widerstand auf den Thron, und einige sagen, Siegfried habe sich Heinrichs Dank verdient. Heinrich weilte gern in Pöhlde, wo sein gefährlicher Gegner ermordet war; wir finden ihn hier das Weihnachtsfest feiernd siebenmal während der Jahre 1006 – 1016. Gerade daraus möchte man schließen, daß er keine Schuld an Eckards Ermordung gehabt, denn das böse Gewissen hätte ihn wohl sonst hier nicht Frieden finden lassen. Als er das Weihnachtsfest 1012 in Pöhlde feierte, kam Gregor, der Gegenpapst Benedikts, aus Rom hierher und bat um Hilfe. Im Jahre 1017 brannte der größte Teil der kaiserlichen Pfalz, in deren Mauern sich so vieles abgespielt, nieder. Der Aufbau mag längere Zeit gedauert haben. Erst 1028 vom 6. Bis 10. Okt. Hält Kaiser Konrad II., der Salier, von seinem Sohn Heinrich begleitet, hier wieder mit den Bischöfen des Reiches eine große Synode ab. Zu gleicher Zeit erschienen Gesandte der wendischen Luitizen und suchten Konrad zu einem Kriege gegen die Polen zu veranlassen, indem sie ihre Hilfe dazu versprachen. Auch Konrads Sohn, der ebenerwähnte Heinrich, ist als Kaier oft in Pöhlde gewesen. Gesandte der Römer überreichen ihm 1047 hier einen Brief, in welchem sie ihn um einen leuschen und gütigen Papst baten, „wie die Knechte ihren Herrn, wie die Kinder ihren Vater.“ Welch ein Umschwung der Verhältnisse ein Menschenalter später: Dieses Kaisers Sohn, Heinrich IV., stand büßend vor Kanossa! Michaelis 1048 befindet sich Heinrich III. wieder in Pöhlde, und zwar als Richter in einer ihn selbst angehenden Sache. Graf Thietmar, der Bruder Herzogs Bernhard von Sachsen, war von seinem eignen Gefolgsmann Arnold angeklagt, er bereite einen Anschlag gegen das Leben und die Freiheit des Kaisers. Da die Untersuchung sein sicheres Resultat ergab, verließ man sich auf ein Gottesurteil: Der Graf Thietmar mußte gegen seinen Knecht kämpfen und verlor dabei das Leben. Drei Jahre später feierte Heinrich III. wieder das Weihnachtsfest in Pöhlde und ließ bei dieser Gelegenheit von den Fürsten eidlich seinem jungen Söhnchen Heinrich – nochmals der Vierte dieses Namens – die Nachfolge bestätigen.
In demselben Jahre, in welchem dieser Heinrich IV. zur Regierung gelangte, wurde abermals ein Mord in Pöhlde begangen. Am 7. Mai nämlich kam Pfalzgraf Dedo von Goseck auf der Reise zu König Heinrich, der damals in Goslar residirte, in Palithi an. In seiner Begleitung befand sich ein junger Priester, der ihm zur Bewachung und Zucht von seinem Bruder, dem Erzbischof Adalbert von Bremen, übergeben war, weil er sich zuchtlos benommen hatte. Wahrscheinlich hatte Dedo den Unbändigen zu scharf behandelt; er zog plötzlich ein verborgen gehaltenes Messer heraus und senkte es tief in die Brust des vom Pferde steigenden Pfalzgrafen. Man eilte dem Mörder nach und brachte ihn an das Bett seines Opfers mit der Frage, welche Strafe er haben solle. Aber Dedo betete sterbend: „Herr Jesu Christe, nimm meinen Geist auf und rechne jenem seine Sünde nicht an.“ Da ließen sie den Mörder laufen. Die Leiche des Verstorbenen wurde auf des jungen Kaisers Heinrich Wunsch prunkvoll in Goslar begraben.
Von Heinrich IV. wissen wir nicht, daß er jemals in Pöhlde gewesen, wohl aber erzählen gleichzeitige Quellen, daß er auf dem ganz in der Nähe liegenden Schloß Scharfeld geweilt habe, weil er für die Gemahlin des damaligen Schloßherrn eine heftige aber unerlaubte Leidenschaft gehabt, welche von der edlen Frau mit Abscheu zurückgewiesen sei. Um sie in seine Gewalt zu bekommen, habe er einstmals ihren Gemahl mit einem wichtigen Auftrage weit weggeschickt, sei dann auf das Schloß gekommen und habe der Wehrlosen Gewalt angethan. So erzählt eine lüneburger Chronik. Was daran wahr ist, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Bekanntlich gerieth Heinrich IV. in jenen großen Kirchenstreit mit Papst Gregor VII., welcher Jahrhunderte hindurch auf die Politik der deutschen Kaiser nachgewirkt hat. Bei Heinrichs Lebzeiten wurde dieser Streit nicht nur mit dem Schwerte, sondern auch mit der Feder geführt, und weil die Möchste fast allein die Schreibkundigen waren, so stellte der vaterländisch denkende Theil derselben seine literarische Kraft in den Dienst des Kaisers, während der andere größere Theil für den Papst eintrat. Heinrich IV. ist zumal in seiner Jugend wohl ein wilder Herr gewesen, wohl aber nicht so lasterhaft, wie ihn die römischgesinnte Partei dargestellt hat. Kaiserfeindliche Gesinnung athmet die lüneburger Chronik, in der jene Skandalgeschichte berichtet wird, und nicht minder kaiserfeindlich sind die pöhlder Annalen. Im elften und zwölften Jahrhundert nämlich wurde auch in Pöhlde eine umfangreiche Weltchronik geschrieben und fortgesetzt, die uns bis heute noch erhalten und in den Monumenta Germaniae abgedruckt ist, aber merkwürdigerweise fehlt darin gerade das Blatt, auf welchem der Zeit nach jene Geschichte erzählt sein könnte. Die pöhlder Annalen zeichnen sich durch eine Anzahl sagenhafter Erzählungen aus, welche in anderen Quellen nicht zu finden sind. Hieher gehören die wunderbaren Berichte von der Jugend und Wahl des ersten Heinrich, welcher hier zuerst „Vogeler“ genannt wird, und von seinem Ungarnsiege, das Märchen vom Kleide der Königin Edith, Otto III. Liebesverhältnis mit der Wittwe des Crescentius, die Legenden von Heinrich II. und seiner Gemahlin Kundigunde ehelicher Keuschheit und dem Becher zu Merseburg, die Erzählung von der Wahl Konrads II. und der Jugend des Papstes Gregor VII. ᵙᴦ
Welche Gründe die späteren Kaiser veranlaßt haben, nicht wieder nach Pöhlde zu kommen, wissen wir nicht; der Kaiser Lothar ist einmal in der Nähe auf dem Schloß Herzberg Herzberg gewesen. Um 1130 fühlte sich Erzbischof Norbert von Magdeburg veranlaßt, das reiche pöhlder Benediktinerkloster in eine Prämonstratenser=Abtei umzuwandeln, und im Jahre 1131 gelangt die von den magdeburger Erzbischöfen zum Schutz von Pöhlde erbaute Feste Scharzfeld durch Tausch in den Besitz des Kaisers Lothar. Damit wurde die Feste eine Reichtsburg. Kaiser Barbarossa gab wieder im Jahre 1158 die Reichsburg mitsamt der Pöhlder Pfalz und dem Schloß Herzberg an Heinrich den Löwen ab gegen eine Reihe von Besitzungen in Süddeutschland, welche letzterer durch die Heirath mit seiner ersten Frau in Besitz bekommen hatte. Somit wurde die Pfalz Pöhlde Eigenthum der Welfen und zugleich erklärlich, daß der Löwe im November 1181 hier übernachtete. Er war als einfacher Reisiger angekommen, aber der Probst erkannte ihn und wollte mit dem damals verbannten und beim Keiser in Ungade gefallenen Manne nicht an einem Tische essen.
Noch manche Herren und Fürsten haben sich zeitweise in Pöhlde aufgehalten, und die Vorsteher der Abtei verfehlten nicht, sich ihre Privilegien vom Papst und vom Kaiser immer wieder bestätigen zu lassen, aber der Glanz, welcher diesen Ort in der Zeit der Ottonen=Kaiser umstrahlte, ist nach und nach verloschen. Im Bauernkriege 1525 wurden die letzten Andenken an jene großen Tage zerstört. Plündernde Horden drangen in die pöhlder Kirche ein und vernichteten das wundervoll geschnitzte Wappen der Königin Mathilde, der Stifterin des Klosters, und ebenso ihr Bildniß, welches sie darstellte, wie sie auf beiden Händen eine Kirche trägt.
Jetzt ist keine Spur mehr von der einstigen Herrlichkeit in Pöhlde zu sehen, selten, daß sich einmal ein Geschichtsfreund an die Stätte verirrt, wo ein gewaltiges Geschlecht über ein Jahrhundert gern geweilt hat. Dr. -ck-
*Palithi wird von den Gelehrten mit dem Namen des altdeutschen Gottes Phol in Verbindung gesetzt.



Saale-Zeitung: allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland ; Hallesche neueste Nachrichten 19.10.1884
Die schwimmende Insel von September 1906
Vermischtes.
Schwimmende Inseln. Eine schwimmende Insel befindet sich auf dem Hautsee bei Marksuhl, die nach jahrelangem Stillstand wieder einmal ihre Stellung verlassen hat. Auch das Eichsfeld in Thüringen darf sich der Sehenswürdigkeit einer schwimmenden Insel rühmen. Verfolgt man die Chaussee von Rhumspringe nach Pöhlde ungefähr 25 Minuten und biegt dann vor der Ziegelei 100 Meter nach links die Anhöhe hinauf, dann befindet man sich in nächster Nähe der schwimmenden Insel. Man schaut zunächst in einen tiefen Kessel, der mit Buchenholz bestanden ist. Schreitet man den schmalen Fußpfad hinab, so gewahrt man bald ein teichartiges Bassin, das mit schwarzbraunem Wasser gefüllt ist. Auf dieser Wasserfläche sieht man eine Insel, die sich bei näherer Betrachtung als schwimmend erweist. Das schwimmende Wunder hat einen Flächeninhalt von etwa 100 Quadratmeter bei einem Durchmesser von 11-12 Meter und ist mit Weidenbäumen bewachsen, was um so auffälliger ist, als in der Umgebung nur Buchen zu sehen sind. Der Boden der schwimmenden Insel bei Pöhlde scheint im Gegensatz zu der Insel des Hautsees nicht fest zu sein, sodaß man zu einem Betreten des Naturwunders nicht raten kann. Bei wiederholtem Besuch des Ortes findet man die Insel nicht immer an demselben Punkt. Will man sich aber einen augenscheinlichen Beweis davon verschaffen, daß die Insel wirklich schwimmt, so braucht man nur einen der stärkeren Weidezweige zu ergreifen und mit Aufgebot einiger Kraft zu ziehen. Man wird dann sehen, wie sich die Insel leise bewegt.


Riesaer Tageblatt und Anzeiger : (Elbeblatt und Anzeiger) : amtliche Bekanntmachungen für die Stadt und den … 01.09.1906
Wo war der Vogelherd König Heinrichs? Ein Artikel von August 1923
Wo war der Vogelherd König Heinrichs?
„Herr Heinrich saß am Vogelherd“, als die Abgesandten des alten Deutschen Reiches zu ihm kamen, um ihm, dem Sachsenfürsten, die Königskrone anzubieten. Nicht vom Schimmer der Romantik umleuchtete Geschichtsforscher haben diese Erzählung ganz nüchtern als eine gänzlich unbegründete Sage erklärt, wenn sie auch das Zugeständnis machen, daß sie eine schöne sage sei. Weil sie ab zu hübsch ist, wollen wir doch an sie glauben, aber wo war war König Heinrichs Vogelherd? Wir müssen da über Nordhausen nach dem im Kreise Osterode am Südharz gelegen Bad Herzberg fahren, das am Eingang des naturschönen Sieber= und des Lonautales liegt. Das im Westen des Städtchens auf hohem Felsen sich aufbauende, vom Kaiser Lothar nach 1130 als Reichsburg erbaute Schloß kam 1269 an Braunschweig und war oft Residenz der braunschweigischen Fürsten. Südlich von Herzberg liegt das Dorf Pöhlde. Der alte Königssitz Palithi, wo die Gemahlin König Heinrichs I., Mathilde, ein Prämonstratenserkloster gründete. Auf dem über dem Orte aufsteigenden Rothenberge, der eine Wallburganlage zeigt, soll sich der Vogelherd König Heinrichs befunden haben. Wer nicht die zweifellos noch weiteren Erhöhungen der Eisenbahnpreise abwarten will, doch aber gern diese sagenumwobene Stätte sehen und auf ihr von alter deutscher Herrlichkeit träumen möchte, der muß schnell entschlossen sich sofort auf die Bahn setzen. Er wird diesen Ausflug in letzter Stunde nicht beklagen. -r.

Saale-Zeitung: allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland ; Hallesche neueste Nachrichten 25.08.1923
Ausgabungen am Vogelherd König Heinrichs von Oktober 1934
Ausgabungen am Vogelherd König Heinrichs. An der historischen Stätte „König Heinrichs Vogelherd“ bei Pöhlde werden, wie aus Osterode im Harz gemeldet wird, Ausgrabungen vorgenommen, bei denen man schon jetzt feststellen kann, daß der seit Jahren umstrittene Ort doch als Heinrichs Vogelherd nachgewiesen werden kann. Die Ausgrabungen werden von Professor Kahrstedt aus Göttingen geleitet.

Mitteldeutschland ; […) ; Saale-Zeitung 18.10.1934
Ausgrabungen an König Heinrichs Vogelherd von November 1934
Ausgabungen an König Heinrichs Vogelherd. Bei Ausgrabungen in der Nähe des niedersächsischen Ortes Pöhlde, wo man die in den letzten Jahren vielfach sehr umstrittene Stätte von Heinrichs Vogelherd vermutete, stellte Prof. Kahrstedt=Göttingen fest, daß dieser umstrittene Ort wirklich als König Heinrichs Vogelherd nachgewiesen werden kann. Die Arbeiten, die von Landrat von Schönfeld=Osterode angeregt wurden, werden von der Römisch=Germanischen Kommission in Frankfurt a. M. finanziell unterstützt.

Buchauer Zeitung Volksblatt vom Federsee: Amtsblatt für die städt. Behörden Buchaus 12.11.1934