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Der Goldschatz oder das 6-Pfund-Brot


Vorwort. Diese Geschichte wurde innerhalb der Familie am 4. Juli 2010 erzählt. Diese Handlung fand gegen Ende des zweiten Weltkriegs 1945 statt, zu der Zeit, in der die Amerikaner über und um den Rotenberg Richtung Herzberg einmarschierten.

„…und wir, Arnobert Oerdinger und ich, fuhren dann mit den Drahteseln im Dorfe runter und da hörten wir schon dieses Getöse auf dem Rotenberg*, und wir sind gerade bei Höltig vorbei, da kommen uns Leute entgegen, die riefen schon von Weitem:

Bei Höltichs gibt es Brot ohne Marken**!

Oh, wir spuckten in die Hände, den Drahtesel rumgedreht, wieder zurück. Ein 6-Pfund-Brot ohne Marken, das war ein Goldschatz damals! Hinten hatte ich einen Gepäckträger, Geld hatte ich so viel in der Tasche, dass ich Arnoberts Brot auch mit bezahlen konnte, der hatte kein Geld in der Tasche. Dann im Dorfe runter und wir wollten gleich am Sumpfe*** rum, du das kann ich Dir sagen, da plästerten (schossen) die Amerikaner doch von oben aus dem Rotenberg aufs Dorf runter, und dann wir wieder hastig umgedreht, zurück – hab‘ die Mütze noch dabei verloren, habe ich auch nicht wieder bekommen – erst Mal bei Schmitz‘ Willi in die Einfahrt, die Einfahrt konnten sie nicht einsehen von oben… Da standen die Bewohner schon im Tor und riefen,

kommt her ihr, kommt her ihr…„,

dass wir von der Straße kamen.
Später hatte sich das dann beruhigt und wir sind wieder los mit den Drahteseln, um den Sumpf rum, und kommen hier am Sumpfe die Püllen(?) hoch, kommt uns einer entgegen, Forke auf dem Buckel und ne Schwenke dran hängen mit Brennnesseln für die Pielleken (Küken), da war es der alte Wittens, Wilhelm hieß er, Herberts Großvater.

Onkel Wilhelm, pass auf, die sitzen da oben und schießen!…
Lass’se doch scheiten…(schießen auf Platt)“,

sachte er. Naja und dann nach Hause, und „ach du“ am Tor, da wurde ich schon empfangen, die alte Elli (Schulz, Mutter):

wo bist do denn ma‘ bloß…, wo biste denn jewest?“ (wo bist du denn nur gewesen?),
Ja nun denn, ich habe ein Brot geholt
Ach du jetzt hebbe ma‘ Brot im Huse, jetzt hebbe ma‘ Brot im Huse…!“ (Freude)

Aus der Erzählung von Werner Schulz(†)

*Der Amerikaner kam gegen Ende des zweiten Weltkriegts über den Rotenberg und marschierte weiter Richtung Herzberg. Das „Getöse“ könnte von Kettenfahrzeugen oder Geschrei bzw. lautem Gerödel (Gepäck) der amerikanischen Soldaten her gerührt haben.
** Lebensmittelmarke – Wikipedia
*** Gebiet innerhalb des Dorfes Pöhlde

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